Deutscher Gewerkschaftsbund

Wie funktioniert der Index?

Das Instrument

Der DGB-Index Gute Arbeit ist ein Indikator, der die Qualität der Arbeit aus Sicht der Beschäftigten abbildet. Im Index wird eine Vielzahl von Informationen über die Arbeits- und Einkommensbedingungen der Befragten komprimiert und zusammengeführt. Die wissenschaftliche Methodik der Erhebung und der Ermittlung der Indexwerte, die seit 2007 zum Einsatz kommt, wurde im Jahr 2011 aktualisiert und weiterentwickelt.

 

Der Kern des Instruments - der Fragebogen

Grundlage für die Berechnung des Index ist eine repräsentative Umfrage unter den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland. Den Kern des dabei zum Einsatz kommenden Fragebogens bilden die 42 Fragen, die zur Ermittlung des DGB-Index Gute Arbeit herangezogen werden.

Daneben werden eine Reihe weiterer arbeitswissenschaftlich relevanter Fragen gestellt, die z. T. jährlich neu in die Erhebung aufgenommen werden und nicht in die Indexberechnung einfließen. Um die Ergebnisse differenziert auswerten zu können, werden schließlich Fragen zu den soziodemographischen Merkmalen der Beschäftigten erhoben werden (Alter, Geschlecht, Einkommen etc.).

Die 42 indexbildenden Fragen folgen einem spezifischen Befragungsprinzip. Sie erfassen einerseits die Intensität von Anforderungen und das Vorhandensein von Ressourcen. Sie fragen die Beschäftigten andererseits aber auch danach, wie sehr sie sich subjektiv belastet fühlen, wenn die entsprechenden Anforderungen auftreten bzw. die Ressourcen nicht oder nur in geringem Umfang vorhanden sind. Im Folgenden wird dies an zwei Beispielen verdeutlicht:

Beispiel 1: Ressourcenfragen

 

Das erste Beispiel zeigt drei Fragen: eine nach der Angemessenheit des Einkommens und zwei mit Bezug auf die Führungsqualität der/s Vorgesetzten. Zeigt sich bei einer der Fragen ein Ressourcenmangel, d.h. der/die Beschäftigte verfügt im Rahmen seiner Arbeit gar nicht oder nur in geringem Maße über die genannte Ressource, wird er/sie anschließend gefragt, ob bzw. wie stark dieser Umstand subjektiv belastet.

 

Frage

Abbildung: Beispielfragen aus den Feldern "Einkommen und Sicherheit" sowie „Ressourcen“ DGB-Index Gute Arbeit

Beispiel 2: Belastungsfragen

 

Im zweiten Beispiel werden zwei zeitliche und eine körperlichen Anforderung thematisiert. Wenn ein/e Beschäftigte/r angibt, einer dieser Anforderungen ausgesetzt zu sein, dann wird er/sie danach gefragt, inwieweit er/sie diese Anforderung als Belastung empfindet. Kommt die Anforderung in der Tätigkeit des Befragten nicht vor, wird nach der subjektiven Belastung nicht weiter gefragt.

 

Frage

Abbildung: Beispielfragen aus dem Feld „Belastungen“ DGB-Index Gute Arbeit

 

Mit diesem Befragungsprinzip wird der Annahme des arbeitswissenschaftlichen Belastungs-Beanspruchungs-Modells Rechnung getragen, dass vorhandene Anforderungen und fehlende Ressourcen von den Beschäftigten in unterschiedlichem Ausmaß negativ erlebt werden. Die Fragekonstruktion erlaubt es, diese subjektive Komponente bei der Messung der Arbeitsqualität zu berücksichtigen.

 

Die Struktur des DGB-Index Gute Arbeit

Der Gesamtindex setzt sich zusammen aus den drei Teilindices

 

  • „Ressourcen“
  • „Belastungen“
  • „Einkommen und Sicherheit“.

Für jeden Teilbereich wird ein eigener Indexwert ermittelt, der gleichgewichtig in den Gesamtindex einfließt.

Die Teilindices wiederum sind in insgesamt elf Kriterien der Arbeitsqualität untergliedert. Auch für diese wird, entsprechend der Urteile der Beschäftigten, jeweils ein eigener Indexwert ermittelt. Auf diese Weise ist es möglich, einen schnellen Überblick über die wahrgenommene Arbeitsqualität auf verschiedenen Ebenen zu erhalten: Für den Gesamtindex, für die drei Teilindices sowie für die elf Kriterien der Arbeitsqualität.

Die elf Kriterien der Arbeitsqualität

Während der Gesamtindex und die Teilindices Überblicksindikatoren für die durchschnittliche Arbeitsqualität darstellen, ermöglicht die Analyse der elf Kriterien eine detaillierte Betrachtung. Jedes Kriterium wird mit bis zu sechs Fragen (Items) erfasst. Jedes Item erhebt ein Merkmal der Arbeitsbedingungen, das aus arbeitswissenschaftlicher Perspektive eine besondere Relevanz für die Qualität der Arbeit besitzt. In der folgenden Abbildung sind die einzelnen Items in verkürzter Form aufgeführt.

 

Liste

Die elf Kriterien der Arbeitsqualität DGB-Index Gute Arbeit

 

 

Die vier Qualitätsstufen von Arbeit

Die Kombination von Belastungen und Beanspruchungen wird für jede der 42 Einzelfragen anhand eines definierten Wertzuweisungssystems auf eine Punkteskala von 0 bis 100 übertragen, wobei 0 Punkte die negativsten Ausprägung (sehr starke Beanspruchung, Fehlen der Ressource, starke Belastung) und 100 Punkte die positivste Bewertung (Vorhandensein der Ressourcen bzw. Absenz der Belastung) bildet.

Die entsprechenden Punktwerte der einzelnen Fragen fließen in die elf Kriterien ein, d.h. die Kriterien spiegeln den arithmetischen Durchschnitt der Punktwerte aller thematisch zugehörigen Fragen wider. Der Durchschnitt der Werte der Kriterien generiert wiederum den Wert der drei Teilindizes, die zu jeweils einem Drittel den Index Gute Arbeit ergeben.

Der Index Gute Arbeit besteht folglich aus drei Teilindizes, die von den jeweils zugehörigen Kriterien gebildet werden, die wiederum auf insgesamt 42 Fragen basieren. Damit ist eine detaillierte und differenzierte Beschreibung und Bewertung der Arbeitsbedingungen aus Sicht der Beschäftigten möglich.

 

Grafik

Abbildung: Darstellung der Schritte bei der Indexbildung DGB-Index Gute Arbeit

Von „Guter Arbeit“ im Sinne des DGB-Index kann ab einem Punktwert von 80 gesprochen werden. Werte zwischen 80 und 100 Punkten werden erreicht, wenn Beschäftigte ihre Arbeitssituation in vielen Dimensionen als überwiegend unterstützend, entwicklungs- und lernförderlich sowie als belastungsarm beschreiben. Unterhalb von 50 Punkten beginnt „schlechte Arbeit“. In diesem Bereich ist die Arbeit durch fehlende Entwicklungsmöglichkeiten, hohe Beanspruchungen und ein unzureichendes Einkommen geprägt. Dazwischen liegt der Bereich „mittlerer Arbeit“. Hier treten sowohl positive als auch negative Aspekte der Arbeitsqualität auf. Dieser Bereich ist nochmals unterteilt in die Stufen „Arbeitsqualität im unteren Mittelfeld“ (50 bis 64 Punkte) und „Arbeitsqualität im oberen Mittelfeld“ (65 bis 79 Punkte). Diese beiden Qualitätsstufen verweisen – je nach konkreter Ausprägung – auf einen hohen Gestaltungsbedarf auf verschiedenen Feldern der Arbeitsbedingungen.

 


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Ma­te­ria­li­en zum me­tho­di­schen Vor­ge­hen des DGB-­In­dex Gu­te Ar­beit
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Ausführliche Informationen zur Methodik des DGB-Index und seiner Weiterentwicklung finden Sie hier:
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