Deutscher Gewerkschaftsbund

Was ist der DGB-Index Gute Arbeit?

Der DGB-Index Gute Arbeit ist ein wissenschaftlich fundiertes Instrument zur Messung der Arbeitsqualität aus Sicht der Beschäftigten und stellt eine eigenständige Forschungsleistung des DGB dar, die in Kooperation mit verschiedenen Partnern erbracht wird.

Was ist Gute Arbeit?

Die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten sind maßgeblich für ihre Lebensqualität. Arbeit kann sehr unterschiedlich gestaltet sein. Sie kann dem Einzelnen materielle Sicherheit gewähren, umfassende Entwicklungsmöglichkeiten bieten, Wertschätzung, Anerkennung und Solidarität hervorbringen und wichtige soziale Unterstützung leisten.

Die Arbeitssituation kann aber auch durch negative Belastungen gekennzeichnet sein. Ein geringes Einkommen und Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, schwere körperliche und psychische Anforderungen, fehlende Entwicklungsperspektiven und Gestaltungsmöglichkeiten oder ein belastendes Betriebsklima sind nur einige Stichworte für Arbeitsbedingungen, die unmittelbar das Wohlbefinden und die Lebensqualität einschränken und mittel- bis langfristig gesundheitsschädigende Wirkung haben können.

Das Verständnis von „Guter Arbeit“, das dem DGB-Index zu Grunde liegt, ist an den Urteilen der Beschäftigten über ihre Arbeitsbedingungen ausgerichtet. Die Ansprüche der Beschäftigten an Gute Arbeit wurden im Rahmen einer Studie ermittelt, die von der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) im Jahr 2006 durchgeführt wurde. Daran anknüpfend wurden für den DGB-Index Gute Arbeit Kriterien der Arbeitsqualität entwickelt, die sowohl die Einkommenssituation und die Arbeitsplatzsicherheit berücksichtigen als auch die Ressourcenausstattung der Beschäftigten und ihre (Fehl-) Beanspruchungen durch die Arbeitssituation.

Unter „Guter Arbeit“ werden Arbeitsbedingungen verstanden, die von den Beschäftigten als entwicklungsförderlich und belastungsarm beschrieben werden. Dazu gehört auch ein Einkommen, das als angemessen und leistungsgerecht empfunden wird. Eine schlechte Arbeitsqualität resultiert aus Arbeitsbedingungen, die keine Entwicklungsmöglichkeiten, geringe Ressourcen, hohe Fehlbeanspruchungen und ein geringes Einkommen aufweisen.

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DGB-Index Gute Arbeit

Was ist der Index?

Seit dem Jahr 2007 werden in einer jährlichen bundesweiten Repräsentativerhebung die abhängig Beschäftigten danach gefragt, wie sie ihre Arbeitsbedingungen bewerten - denn sie sind die Experten für Arbeitsqualität.

Das Erhebungsinstrument besteht zunächst aus einer repräsentativen telefonischen Umfrage unter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus allen Branchen, Regionen, Einkommensklassen, Altersgruppen usw. in Deutschland.

Bei der Auswertung der Umfrage werden die Ergebnisse der einzelnen Fragen dann über ein komplexes statistisches Verfahren in Werte für den DGB-Index Gute Arbeit umgerechnet und zusammengefasst. Der Indexwert kann dabei zwischen 0 (= denkbar schlechteste Arbeitsqualität) und 100 (= optimale Arbeitsbedingungen) liegen.

Berechnet werden nicht nur ein Gesamtindex, sondern auch die Werte für 11 Kriterien der Arbeitsqualität. Dabei gilt: Je höher der Index-Wert, desto besser wird die Arbeitsqualität bewertet.

 

Warum eine Repräsentativbefragung?

Ausgangspunkt für das Konzept des DGB-Index Gute Arbeit war die Überlegung, dass die Arbeitsqualität des Einzelnen durch objektive Messungen (z.B. physikalischer, physiologischer oder chemischer Art) nur unzureichend bestimmt werden kann. Um ein vollständiges Bild der Arbeitsqualität zu erhalten, sind die Beurteilungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einzubeziehen, die ihre Arbeitsbedingungen genauer kennen als jeder andere. Die Experten für Arbeitsqualität sind die Beschäftigten selbst.

Um die Einschätzung der Beschäftigten in Erfahrung zu bringen, wird seit 2007 die jährliche bundesweite Repräsentativbefragung unter den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland durchgeführt.

Darin werden die Beschäftigten in einem ersten Schritt gefragt, wie sie verschiedene Aspekte ihrer Arbeitsbedingungen bewerten. Beispielsweise wird gefragt, ob ausreichende Qualifizierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten bestehen, wie es um die Aufstiegschancen und das Betriebsklima im Unternehmen bestellt ist, oder ob die Arbeit besonders hohe körperliche bzw. psychische Anforderungen stellt usw. In einem zweiten Schritt wird dann gefragt, ob die jeweiligen Anforderungen der Arbeit von den Beschäftigten überhaupt als Belastung empfunden werden.

Mit dieser doppelten Frage werden nicht nur die vorhandenen Ressourcen eines Arbeitsplatzes erfasst, sondern auch die konkreten Belastungen. Die Repräsentativität der Umfrage erlaubt so bereits Aussagen über einzelne Faktoren der Arbeitssituation der Beschäftigten in Deutschland. Durch zusätzliche Fragen nach Branche, Beruf, Alter, Bundesland usw. kann darüber hinaus auch ein differenziertes Bild über die Arbeitsqualität gezeichnet werden.

 

Welche Aufgabe hat der DGB-Index Gute Arbeit?

Der DGB-Index Gute Arbeit ist eine gemeinschaftliche Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und seiner Mitgliedsgewerkschaften. Das Projekt wurde im Jahr 2006 mit dem Ziel gestartet, dem Thema Arbeitsqualität eine verstärkte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Mit dem DGB-Index Gute Arbeit wurde eine neue Phase der Arbeitsberichterstattung in Deutschland eröffnet. Die regelmäßige wissenschaftliche Erhebung bringt eine umfassende Informationsbasis zur Qualität der Arbeit und den Entwicklungstrends in der Arbeitswelt hervor. Auf dieser Grundlage ist es möglich, aktuelle arbeits- und sozialpolitische Problemfelder und Herausforderungen zu benennen.

Die Ergebnisse des DGB-Index Gute Arbeit finden deshalb auf unterschiedlichen Ebenen Verwendung. Sie tragen einerseits zum wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt über die Arbeitsqualität in Deutschland bei. Auf Basis der Forschungsergebnisse entwickeln Gewerkschaften und andere gesellschaftliche Akteure andererseits Strategien und Konzepte zur Verbesserung der Arbeitsqualität. Die Ergebnisse des DGB-Index Gute Arbeit sind zum Gegenstand der öffentlichen Debatte um die Arbeitsbedingungen in Deutschland geworden.

 

Hat der DGB-Index Gute Arbeit praktische Konsequenzen?

Die Erhebung des DGB-Index Gute Arbeit ist kein Selbstzweck. Gemäß dem Motto „Daten zu Taten“ stehen immer auch Veränderungsmöglichkeiten im Mittelpunkt, mit denen sich die Qualität der Arbeit verbessern lässt. Themen-, Gruppen- und Branchenauswertungen der Index-Ergebnisse tragen dazu bei, konkrete Gestaltungspotenziale zu erschließen.

Ein Feld, auf dem dies praktisch umgesetzt wird, ist die gewerkschaftliche Tarifpolitik. In den Tarifverhandlungen für den Sozial- und Erziehungsdienst z.B. wurden die Erkenntnisse des DGB-Index Gute Arbeit über die Belastungssituation von Erzieherinnen und Erziehern erfolgreich genutzt, um Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung einzufordern.

Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es für den DGB-Index Gute Arbeit?

Der DGB-Index Gute Arbeit dient nicht nur als Repräsentativerhebung für ganz Deutschland, sondern kann darüber hinaus auch auf anderen Ebenen eingesetzt werden:

Beispielsweise wird er in einer Reihe von Bundesländern als Instrument einer länderspezifischen Arbeitsberichterstattung verwendet.

Sonderauswertungen zu einzelnen Branchen und Berufsgruppen ermöglichen spezifische Analysen zur Arbeitsqualität in den betreffenden Bereichen.

Der Index im Betrieb

Der DGB-Index Gute Arbeit hat sich auch auf betrieblicher Ebene bewährt. In verschiedenen Unternehmen, Organisationen und öffentlichen Verwaltungen wurde der Index mit Erfolg als praxisorientiertes Instrument zur Analyse und Verbesserung der Arbeitsbedingungen eingesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie hier: Der Index im Betrieb

 

Ma­te­ria­li­en zum me­tho­di­schen Vor­ge­hen des DG­B-­In­dex Gu­te Ar­beit
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Ausführliche Informationen zur Methodik des DGB-Index und seiner Weiterentwicklung finden Sie hier:
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