Deutscher Gewerkschaftsbund

Damit wir gesund bleiben

Interview: Gefährdungsbeurteilung mit dem DGB-Index Gute Arbeit

Verena Blix

Verena Blix Foto: Privat

Körperliche Überlastungen sind meist sichtbar - der Rücken wird krumm, die Bandscheibe ist kaputt, die Augen werden schlechter. Seelische Beanspruchungen dagegen werden oft lange übersehen - beispielsweise Zeitdruck, ständige Arbeitsunterbrechungen oder unklare Prozesse. Doch sie machen genauso krank. Das Arbeitsschutzgesetz verlangt seit 2013 auch den Blick auf psychische Belastungen und nicht allein auf physische.

Die Hamburger Behörde für Gesundheits- und Verbraucherschutz (BGV) hat deshalb eine Gefährdungsbeurteilung mit dem DGB-Index Gute Arbeit vorgenommen. Im Gespräch mit ver.di publik schildert die Personalrätin Verena Blix Hintergründe und Ergebnisse des Prozesses.

ver.di publik - Warum war die Gefährdungsbeurteilung notwendig?

Verena Blix - Es ist leider nicht so, dass es in einer obersten Landesbehörde, die sich mit diesen Themen befasst, keine Belastungen gibt. Seit 2011 ist die Schuldenbremse umgesetzt, der Druck auf die Arbeitsplätze ist gestiegen. Arbeitsplätze wurden abgebaut. Neue Aufgaben sind hinzugekommen. Wir sind uns bewusst, dass wir als oberste Landesbehörde, die sich mit Belastungen am Arbeitsplatz befasst, auch selbst ein gutes Beispiel abgeben müssen.

ver.di publik - Warum fiel die Wahl auf die DGB-Index-Methode?

Blix - Überzeugt hat uns, dass hier zwei Aspekte unterschieden werden - nämlich die Belastungen, die alle haben, und das persönliche Empfinden, wie stark die Arbeit einen persönlich beansprucht oder stresst. Dieser Doppelblick auf Belastungen und Beanspruchung gab den Ausschlag.

ver.di publik - Wie ging es weiter?

Blix - Wir haben uns Unterstützung durch die ver.di b+b-Tochter "Rat.geber GmbH" geholt. Nach dem Motto "Daten für Taten" haben wir mit einer OnlineBefragung begonnen. Hier war der Rücklauf 72 Prozent, also sehr gut. Dafür haben wir aber auch einen hohen Kommunikationsaufwand betrieben. Anschließend haben wir mit insgesamt 150 Beschäftigten je zwei Workshops veranstaltet, in denen wir vertieft haben, welche psychischen Belastungen da sind und wie sie reduziert werden können. Die größten Belastungsfaktoren haben wir uns zuerst vorgenommen.

ver.di publik - Was belastet die Beschäftigten bei der BGV?

Blix - Hauptsächlich Arbeitsintensität und Arbeitshetze. Das hat man ja in vielen Organisationen. Verstärkt wird der Druck durch unklare Prioritäten und mangelnde Informationen. Häufige Veränderungsprozesse werden als belastend empfunden. Dazu gehört die Frage, wohin die Prozesse führen, aber auch der Wunsch, mehr Einfluss zu nehmen.

ver.di publik - Gibt es noch weitere Ergebnisse?

Blix - Wir kennen nun auch unsere Stärken. Die Themen Gesundheit und Verbraucherschutz werden als sehr sinnvoll eingestuft, bewirken bei den Beschäftigten eine hohe Identifikation mit der Arbeit und sind ein Ausgleich zu den Belastungen. Auch die Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung wird als sehr positiv eingeschätzt.

ver.di publik - Wie geht es weiter?

Blix - Zunächst sind wir sehr zufrieden, die DGB-Index-Methode genommen zu haben. Jetzt gehen wir in einen permanenten Prozess und entwickeln Maßnahmen. Dazu gehört auch der Blick aufs Einkommen, denn zu wenig Geld kann sehr belastend sein. Da konnten wir für einige Beschäftigte schon sehr schnell etwas verbessern. Bei Umstrukturierungen und Veränderungen müssen wir künftig sehr aufpassen und die Beschäftigten mehr einbeziehen. Es gibt dazu zwar eine Dienstvereinbarung, aber da haben wir noch dicke Bretter zu bohren.

Interview: Marion Lühring
Erschienen in: ver.di publik 3-2015

 


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